Wenn die kleinen Kinder von gestern plötzlich so groß sind, wie wir Eltern, und sie nicht mehr so häufig sich ankuscheln oder „Mama, schau mal!“ rufen, höre ich, wie Eltern das Jugendalter und die Pubertät mit Argwohn betrachten, wie sie Angst vor Diskussionen, Augenrollen, knallenden Türen und Beschimpfungen haben – und davor, dass die Kinder womöglich entgleiten. Auch vor dem Versagen als Mutter oder Vater „im Endspurt”.

Auch ich bin Mutter von drei jugendlichen Kindern. Die Pubertät hat sich die letzten Jahre leise herangeschlichen und gleichzeitig war sie schneller da, als ich darauf vorbereitet war. Ich darf mir Gedanken dazu machen, was meine Kinder und ich in dieser neuen Phase brauchen und vor allem, wie wir miteinander in Verbindung bleiben.

Wenn Kinder in die Pubertät kommen, ernten wir das, was wir in der bisherigen Erziehung bzw. Beziehung zu unseren Kindern gesät haben. Süßes so wie Bitteres. Das kann hart sein!

Insbesondere weil wir als Eltern doch immer unser Bestes tun, mit dem Wissen und den Ressourcen, die wir haben. Vielleicht haben wir uns auf die Reise Richtung mehr Bindung und Beziehung, friedvolle Elternschaft gemacht. Und gleichzeitig ist Elternsein zum großen Teil „learning by doing”.

Noch nie habe ich so viel über mich selbst gelernt, wie in den letzten 14 Jahren mit und von meinen Kindern. Und es gibt einiges, was ich heute anders machen würde, würde ich die Zeit zurückdrehen können.

Auch wenn das nicht geht, es ist nie zu spät!

Du kannst auch in der Pubertät die Weichen immer noch neu setzen: für die Beziehung zu deinen Kindern.

In der Pubertät ändert sich die Beziehung. Die Kinder sind nicht mehr einfach da, um uns herum, sie ziehen sich mehr zurück. Die Momente, in denen sie den Kontakt zu uns suchen, werden weniger und vor allem entscheiden sie den Zeitpunkt selbst, wann sie den Kontakt zu uns wollen oder brauchen.

Dabei ist es wesentlich, dass wir gerade im Jugendalter, wenn unsere großen Kinder sich abgrenzen und ablösen, in Kontakt bleiben.

Wie bleibe ich mit meinem Kind in Verbindung in der Pubertät?

Wenn dein Kind kommt und den Kontakt sucht, empfange es mit einladendem Blick, offenen Armen und einem Lächeln!

Auch dann, wenn es nicht wirklich passt. Auch dann, wenn dein Blick und dein Lächeln nicht erwidert werden. Auch dann, wenn eine Stunde früher dein eigener Kontaktversuch zurückgewiesen wurde und du dich abgelehnt fühlst.

Wenn ein Kind den Raum betritt, leuchten deine Augen auf? Das ist es, wonach es sucht.

– Toni Morrison

Wenn dein Kind mit dir sprechen möchte, sei da. Lasse dich auf Gespräche und Diskussionen ein. Die Gespräche, die wir mit unseren jugendlichen Kindern in der Pubertät führen, sind so wertvoll.

Hier sind 5 weitere Möglichkeiten, im Alltag mit deinem Kind in Verbindung zu bleiben.

Elternsein geht weiter – nur anders

Die Kinder werden größer und selbstständiger – und was mache ich jetzt?!

So oft habe ich in den Kleinkindjahren mich nach ein paar Minuten Zeit gesehnt – nur für mich, zum Durchatmen, zum Auftanken, um einen Gedanken zu Ende zu denken.

Auf einmal ist sehr viel Zeit für mich zum Nachdenken da. Darüber, wie ich meine Elternschaft gelebt habe. Zur Dankbarkeit für diesen Weg, der mir so viel Liebe, Verbindung und Beziehung zu meinen Kindern ermöglicht hat. Zur Reflexion über die Dinge, die ich heute anders machen würde. Zum Loslassen, zum Trauern und zum Verzeihen.

Eltern erzählen mir, wie sie fürchten, „abgeschrieben“ zu werden, wenn ihre Kinder in die Pubertät kommen. Tatsächlich brauchen meine Kinder mich für viele alltägliche Dinge nicht mehr. Doch als Eltern spielen wir weiterhin eine ganz wichtige Rolle für unsere Kinder – nur anders.

Elternsein mit großen Kindern ist ein Dialog.

Wir bewegen uns hin und her zwischen Autonomie und Verbundenheit, Loslassen und Halt, Nähe und Distanz, Sparringspartner und Verbündete und immer mehr Zuwendung statt Zustimmung.

Hast du jugendliche Kinder in der Pubertät zu Hause? Wie geht’s dir damit und was für Erfahrungen machst du? Wie bleibt Ihr in Verbindung? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

Beitragsbild von olechowski