Verbindung bildet den Grundstein in der Familie, auf dem starke, wertschätzende und vertrauensvolle Beziehungen nachhaltig gebaut werden. Wenn wir mit unseren Kindern gut in Verbindung sind, werden viele ihrer und unserer Bedürfnisse erfüllt. Es geht ihnen und es geht uns gut. Lernen braucht Beziehung und Verbindung ist der beste Schutz.

Wie viel Kinder mit ihren Eltern kooperieren können, entspricht in der Regel wie sehr sie sich ihren Eltern verbunden fühlen.

– Pam Leo

Im Familienleben ist viel los und der Alltag kann mit Kita, Schule, Arbeit, Sport und weiteren Terminen durchgetaktet sein. Die Verbindungsmomente, die so wichtig und wertvoll für die Beziehung zu unseren Kindern sind, kommen dabei oft zu kurz. Wenn ich merke, dass meine Kinder und wir alle wieder eine gute Portion Verbindung miteinander gebrauchen könnten, nehme ich mir diese fünf Schritte vor.

1. Feiere dein Kind

Wenn dein Kind morgens aufsteht oder von der Schule nach Hause kommt, drehe dich zu ihm um, lasse das Handy oder das Geschirr liegen, gehe auf Augenhöhe und schaue ihm mit einem Lächeln und einem herzlichen „Ich freue mich, dass du da bist!“ in die Augen. Sage deinem Kind, wie gerne du es hast und wie toll du es findest, dass du seine Mutter oder Vater sein darfst! Sei offen und einladend und freue dich über alles, was es dir sagen oder zeigen will.

Handy, Arbeit, Zoom-Call, schnell die Spülmaschine ausräumen, Kochen, Wäsche, mit AirPods Podcast hören. So oft sind wir beschäftigt, wenn Kinder kommen, dass wir ihre Anwesenheit nur am Rande wahrnehmen und sie gar nicht so sehr beachten oder unbewusst abweisen.

Wenn ein Kind den Raum betritt, leuchten deine Augen auf? Das ist es, wonach es sucht.

– Toni Morrison

Nimm dir täglich einen Augenblick Zeit, dein Kind zu feiern, und schaue, wie es sich geliebt und angenommen fühlt und dabei strahlt. Auch dein Herz wird aufgehen und du wirst eine Leichtigkeit gegenüber deinem Kind spüren, die alle Gedanken an Kritik oder Schimpfen verschwinden lässt.

2. Tauche in die Welt deines Kindes ein

Plane bewusst Zeiten im Alltag ein, wann du bei deinem Kind mit deiner voller Aufmerksamkeit und ohne Ablenkungen sein und dich ihm zuwenden kannst. Sei präsent, im Hier und Jetzt, ohne Gedanken an deine To-Do-Liste.

Sei neugierig über das, was dein Kind spielt und macht, höre zu, wenn es von sich erzählt und lasse dich in seine Welt führen. Spielt es Schleich oder Minecraft, frage, ob du mitspielen darfst. Dein Kind wird sich freuen, wenn du dich für seine Welt interessierst und eine zeitlang dort mit ihm verweilst. Erfahre die Welt aus den Augen deines Kindes und lerne es besser verstehen.

Es gibt Dinge, die wir nur verstehen, wenn wir sie fühlen.

– André Stern

Ich kenne den Widerstand, den wir manchmal spüren, wenn Kinder den Wunsch haben, dass wir mit ihnen spielen. Ich habe zum Beispiel nicht gerne mit Schleich oder Playmobil gespielt. Als ich aber gemerkt habe, wie wichtig es für meine Tochter war, dass ich ihre Einladung in ihre Welt annehme, konnte ich mich darauf einlassen. Oft waren es dann keine 30 Minuten bis dieser Wunsch erfüllt und ihren „Tank“ aufgefüllt war. Danach konnte ich und sie freudestrahlend anderen Tätigkeiten nachgehen.

3. Sag Ja!

Nein zu sagen ist oft unser Default als Eltern. Wie wäre es, wenn du dich einen Tag lang mit dem Nein zurückhieltest und stattdessen überlegen würdest, wie du Ja sagen könntest? Wenn wir zu den Ideen und Vorschlägen unserer Kinder Ja sagen und mitmachen, erfahren sie Autonomie und Selbstwirksamkeit. Sie treffen dabei Entscheidungen und machen eigene Erfahrungen, fühlen sich gesehen und wertvoll. Das stärkt Ihr Selbstwertgefühl und schafft Verbindung.

Kinder lernen, gute Entscheidungen zu treffen, in dem sie Entscheidungen treffen, nicht in dem sie Anweisungen befolgen.

– Alfie Kohn

Nicht selten machen uns genau die Dinge am meisten Spaß, zu denen wir häufig ohne Weiteres Nein gesagt hätten ;-) Druck rauszulassen und Kontrolle loszulassen, schafft Raum für Leichtigkeit und Vertrauen. Wie fühlt sich das ein, einen ganzen Tag lang nicht zu schimpfen und stattdessen Freude zu erfahren?

Ja zu deinem Kind zu sagen, bedeutet nicht, dass du deine Verantwortung oder deine persönlichen Werte aufgibst oder niemals Nein sagst. Es bedeutet, dass es sowohl für deine als auch für die Bedürfnisse und Wünsche deines Kindes Raum gibt, dass sie gleich wichtig sind und sich nicht gegenseitig ausschließen. Es muss nicht immer ein Entweder-oder sein – deine Bedürfnisse oder meine Bedürfnisse – sondern es darf ein Und sein – deine Bedürfnisse und die deines Kindes.

4. Umarmt euch

Biete deinem Kind öfter Umarmungen am Tag an.

Miteinander kuscheln und Umarmungen tun uns und unseren Beziehungen gut! Sie sind nicht nur eine Möglichkeit, das Bedürfnis nach Verbundenheit zu erfüllen, sondern sie fördern die Gesundheit allgemein, wirken gegen Stress, stärken das Immunsystem, verbessern den Schlaf, schaffen Glücksgefühle und steigern Verbindung, Kooperation und Vertrauen.

Wir brauchen vier Umarmungen am Tag, um zu überleben, acht Umarmungen, um zu funktionieren und zwölf, um uns weiterentwickeln zu können.

– Virginia Satir, Psycho- und Familientherapeutin

Zwölf Umarmungen mit allen drei Kindern am Tag ist schon eine Hausnummer! Doch es lohnt sich, darauf zu achten und sich bewusst mehr Kuscheln vorzunehmen. Auch mit großen Kindern!

Wissenschaftler haben auch geforscht, ob die Dauer einer Umarmung von Bedeutung ist: im Netz gibt es alle möglichen Tipps, von 9 Sekunden, um Verbindung zu schaffen, bis 20 Sekunden bis die Glückshormone ausgeschüttet werden. Wissenschaftlich lässt sich sagen, dass es sich lohnt, sich so lange zu umarmen bis dein Kind es nicht mehr möchte. Kinder halten so lange fest, bis sie entspannt sind und sich mit Liebe und Verbindung wieder aufgetankt haben.

Deinem Kind beim Anziehen helfen, beim Film schauen zusammen kuscheln, eine Rückenmassage, Füße zusammen tun oder spielend Raufen sind auch Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu kommen und sich körperlich zu spüren – auch um Körperautonomie zu erfahren und zu schützen. Umarmungen und sonstige körperliche Berührungen natürlich immer nur, wenn dein Kind es möchte!

5. Sag Ja zu dir selbst

Wenn wir beziehungsorientiert mit Kindern in Kontakt sind, lautet das Motto: „Du bist ok, so wie Du bist“. Auch du als Elternteil bist ok, so wie du bist!

Oft, wenn wir Verbindung, wertschätzende und friedvolle Beziehungen zu Kindern anstreben, setzen wir uns selbst unter Druck, alles richtig zu machen und die perfekte Mutter oder der perfekte Vater zu sein. Doch Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Du bist gut, so wie du bist und du darfst auch gut zu dir sein.

Die Verbindung zu deinem Kind fängt bei dir an

Liebe und Empathie uns selbst gegenüber sind mitunter das größte Geschenk, das wir unseren Kindern machen können.

Wie wir mit uns selbst sprechen, wird zu der Art und Weise, wie wir mit unseren Kindern sprechen, was zu ihrer inneren Stimme wird.

– inspiriert von Peggy O’Mara

Verletzlichkeit schafft Verbindung

Zeig dich mit deinen Emotionen, Gefühlen, Bedürfnissen und nimm dich selbst an, perfekt imperfekt so wie du bist. Für deine Kinder bist du immer der Lieblingsmensch.

Was kannst du heute für dich tun? Wie kannst du für dich im Alltag sorgen?

Jetzt bin ich neugierig: Wie sorgst du für Verbindung im Alltag? Was gehört für dich noch hierzu? Was für Erfahrung hast du mit diesen 5 Schritten gemacht? Schreib mir gerne in die Kommentare!