Du willst es anders machen. Du willst Beziehung statt Erziehung und mit deinen Kindern bedürfnis-, bindungs- und beziehungsorientiert leben.

Friedvolles Elternsein heißt nicht, dass alles immer nur friedlich und leicht ist - karennetzel.de

An manchen Tagen läuft es auch. Du bleibst ruhig und entspannt. Ihr könnt in Ruhe gemeinsam frühstücken. Die Kinder spielen zusammen und du nimmst dir einen Augenblick Zeit, innezuhalten und ihnen einfach zuzuschauen. Du bist so dankbar, diese großartigen kleinen Menschen in deinem Leben zu haben.

Auch wenn sie dann anfangen, sich zu streiten, bleibst du ruhig. Du bist da, atmest und begleitest sie wertschätzend dabei, den Konflikt zu lösen. Du siehst ihre Not und kannst ihre Bedürfnisse erkennen und konstruktive Antworten darauf finden.

Du wünscht dir, dass es jeden Tag so laufen würde! Doch an anderen Tagen läuft es ganz anders, auch wenn du es eigentlich besser weißt. Du verstehst Verhalten als Kommunikation und auch von emotionalen Grundbedürfnissen, du versuchst achtsam zu sein und gut für dich zu sorgen. Und dann gibt es die Tage, wenn alles gar nicht friedlich ist und an denen du dich alles Andere als friedvoll findest. Solche Tage sind emotional sehr belastend, eventuell fühlst du Schuld und Scham, es nicht besser hingekriegt zu haben, mal wieder.

Dabei ist friedvolles Elternsein kein Zustand, den du irgendwann erreichst, sondern ein Weg, den du jeden Tag aufs Neue im Leben mit deinen Kindern betrittst.

Wenn du dabei bist, ein friedvolles Familienleben zu schaffen, wird es immer noch Konflikte, „Wutanfälle“, Haue, Tritte, harte Worte, zugeknallte Türen, Weinen, Tränen und Frust geben. Du wirst immer mal wieder in alte Muster zurückfallen, übergriffig oder auf eine Art und Weise reagieren, so wie du es nicht willst. Während du versuchst, alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen, wirst du auch immer wieder unbewusst – und auch bewusst – von deiner elterlichen Macht Gebrauch machen. Solche Tage können hart sein, fühlen sich eventuell noch härter an, weil du dachtest, dass diese Dinge gar nicht mehr im friedvollen Elternsein passieren.

„Frieden ist ein täglicher, wöchentlicher, monatlicher Prozess, der allmählich Meinungen ändert, alte Barrieren langsam abbaut, leise neue Strukturen aufbaut.” – John F. Kennedy. 

Das Familienleben ist bunt und lebendig und kein Mensch ist perfekt. Es liegt nicht in der menschlichen Natur, perfekt zu sein und auch wenn wir uns es manchmal wünschen, die Supermama oder Superpapa zu sein, brauchen unsere Kinder einfach, dass wir Menschen sind. Damit sie sich als kleine Menschen auch sicher und geborgen fühlen.

Jeder Konflikt und jede Herausforderung ist eine Chance, sich weiter kennenzulernen und näher in Verbindung zu kommen:

  • Menschen sind unterschiedlich und jede*r ist ok, so wie sie*er ist.
  • Konflikte gehören zu Beziehungen dazu und können friedlich gelöst werden, wenn auch nicht immer perfekt.
  • Alle Menschen – klein und groß – haben Gefühle und Bedürfnisse und diese sind alle wichtig und richtig.
  • Es gibt konstruktive und wertschätzende Wege mit Emotionen umzugehen und sich nach einem Streit wieder zu verbinden

In diesem Prozess zu vertrauen heißt, da zu sein und weiter zu machen, so gut wie du es eben kannst, jeden Tag aufs Neue.

Jeder Tag ist eine neue Chance für Beziehung und um es anders zu machen.

Unsere Kinder fragen sich nicht, ob wir gute Eltern sind. Sie sehnen sich nach nichts Anderem als mit uns in Verbindung zu sein. Auch wenn sie etwas sagen oder sich auf eine Art und Weise verhalten, die uns es anders sagt, ihre Worte und Verhalten sind ein Ausdruck ihrer inneren Not, die wir ernst und gleichzeitig nicht persönlich nehmen dürfen. Jedes Verhalten hat einen Sinn.

Unsere wichtigste – und oft schwierigste – Aufgabe als Eltern ist es, unsere Kinder dabei zu begleiten, ihre Gefühle und Bedürfnisse kennenzulenen, zu verstehen und zu regulieren. Es ist unsere Aufgabe, präsent zu sein und unsere Kinder in ihren Emotionen bei diesen Lern- und Entwicklungsprozessen Halt zu geben.

Gleichzeitig dürfen wir uns dabei selbst besser kennenlernen, was diese Prozesse mit uns machen, welche Gefühle bei uns da sind, welche Bedürfnisse und, wenn es nicht so leicht ist, Unterstützung bekommen.

So hat Selbstfürsorge weniger mit einer schönen Kerze oder Glas Wein zu tun (auch wenn ich diese Dinge durchaus selbst geniesse). Viel mehr geht es um Selbsterkenntnis und Selbstempathie und darum, dass wir die emotionale Unterstützung bekommen, die wir brauchen, um für unsere Kinder da zu sein und sie selbstbewusst zu begleiten.

Selbsterkenntnis ist wesentlich. Die schwierigen Tage erinnern uns daran, dass wir noch auf dem Weg sind.

  • Was ist heute für dich „schief“ gelaufen?
  • Welche Gefühle hattest du dabei?
  • Was brauchst du und was hast du für Möglichkeiten, damit deine Bedürfnisse erfüllt werden?

Schuld und Scham sind nicht hilfreich. Auch wenn sie uns aufmerksam werden lassen, stehen sie der Verbindung zu deinem Kind im Weg und verhindern, dass du Verantwortung übernehmen kannst.

Dankbarkeit, den Sinn anzuerkennen und empathisch mit dir selbst zu sein, kann sehr heilsam sein. Auch einfach im hier und jetzt zu bleiben.

Sei gut zu dir. Du bist genug.

Wenn du den Fokus auf heute und auf den Augenblick setzt, darauf, wo du heute bereits auf deinem Weg stehst, wird es dir leichter fallen, zu atmen, ruhig zu bleiben und für dich zu sorgen. Es wird dir immer leichter fallen und es werden immer mehr friedvolle Tage geben, so wie du es dir eigentlich wünscht.

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Foto von fizkes

Karen NetzelKaren Netzel – Perspektivenwechsel für Eltern & Familien

Lebe dein Elternsein, so wie du willst, und das Familienleben, das du dir von Herzen wünschst.

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