In diesem Jahr will ich mutiger sein, meine Botschaft für ein Umdenken im Zusammenleben und Umgang mit Kindern weiterzugeben. Für mehr Verbindung, Leichtigkeit und Freude im Familienleben und für eine sozialgerechte und friedlichere Welt durch einen Paradigmenwechsel im Elternsein und in der Begleitung von jungen Menschen.

Als Familienberaterin, Mutter und Zwillingsmutter von drei inzwischen jugendlichen Kindern begleite ich Eltern in den Bereichen mehr Verbindung und Gleichwertigkeit in der Beziehung zum Kind, friedvolle Elternschaft, sowie beziehungsorientiertes, mehrsprachiges und interkulturelles Familienleben.

Mein Motto für das Jahr 2022 lautet: Manege frei!

Inspiriert von Brené Brown, ihrem TED-Talk über die Macht von Verletzlichkeit und der Netflix-Show The Call to Courage, trete ich in die Manege ein. Brenés Arbeit hat mich zutiefst beeinflusst und wir sprechen häufig über die Überschneidung von Verletzlichkeit, Scham und Verbindung im Connection Club (engl.), meiner neuen, beziehungsorientierten und englischsprachigen Online-Elterngemeinschaft, die ich letztes Jahr gegründet habe.

Vom Welleneffekt zur Strömung

Jahrelang habe ich mich mit meinen Vorstellungen von einer friedvollen Elternschaft und einer wertschätzenden Haltung in der Eltern-Kind-Beziehung, die weit von konventionellen Vorstellungen über Kinder, Erziehung und Bildung entfernt sind, weitgehend hinter den Kulissen gehalten. Dabei habe ich in meiner eigenen Familie und in den Familien, die ich im Laufe der Jahre in meinen Coachings und Kursen unterstützt habe, die Kraft der Verbindung erlebt.

Wenn ich in den letzten zwei Jahren etwas gelernt habe, dann, dass es wichtiger denn je ist, sich über die eigenen Werte klar zu werden und eine Stimme zu haben. Die Veränderung zu sein, die du in der Welt sehen willst, ist ein wichtiger erster Schritt und hat einen Welleneffekt. Wenn du dem Ruf nach Mut folgst und öffentlich für Veränderung eintrittst, wird der Welleneffekt zur Strömung in den Mainstream.

„Verletzlichkeit ist der Geburtsort von Innovation, Kreativität und Veränderung.“ – Brené Brown

Obwohl ich also als Elternteil imperfekt bin, längst nicht alle Antworten habe, oft müde aussehe, gelegentlich zu viel rede und manchmal Fehler mache, hier bin ich.

Friedvolle, respektvolle Elternschaft ist eine Bewegung für soziale Gerechtigkeit

Meine Vision ist es, Eltern zu inspirieren und zu stärken, eine tiefe Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen, mehr Zusammenarbeit, Leichtigkeit und Freude im Familienleben zu erleben, sowie zu einem nachhaltigen sozialen Wandel für eine friedlichere Welt beizutragen, indem wir Elternsein neu denken und uns für Verbindung entscheiden.

Elternschaft ist politisch, und friedvolle, respektvolle Elternschaft eine Bewegung für soziale Gerechtigkeit (engl.). Eine Haltung zu Kindern zu leben, die sie als gleichwertige Menschen versteht und wertschätzt, bedeutet sich mit Anti-Adultismus zu beschäftigen, was auch zu mehr Bewusstsein für die Rolle des Patriarchats in der heutigen Gesellschaft, sowie Diskriminierungsformen wie Rassismus, Sexismus, Ableismus und die Rechte von LGBTQIA+ führt.

Die Art und Weise, wie Kinder mit uns aufwachsen, wirkt sich darauf aus, wie sie als Erwachsene in die Welt hinausgehen. Wer dazuzugehört, heißt andere willkommen. Wer sich gesehen, gehört und verstanden fühlt, wird zu Empathie fähig. Wer ein gesundes Selbstwertgefühl hat, neigt weniger dazu, die Selbstbestätigung im Autoritarismus (engl.) zu suchen.

Elternschaft ist verletzlich

Ich frage mich oft: Wer bin ich, dass ich meine Ideen und Meinungen mitteile, vor allem, wenn sie nicht den konventionellen Vorstellungen entsprechen? Die Angst vor Ablehnung, Kritik, nicht dazuzugehören, Fehler zu machen und nicht gut genug zu sein, hat mich zurückgehalten. Interessanterweise sind dies genau die Ängste, die uns ein patriarchalisches System, die herkömmliche Erziehung und die Strukturen eines überholten Schulsystems einflößen und von denen der Autoritarismus lebt. So funktionieren Kontrolle und Unterdrückung.

„Mach es so gut du kannst, bis du es besser weißt. Wenn du es besser weißt, mach es besser.“ – Maya Angelou

Und manchmal, als Eltern, machen wir Fehler, selbst wenn wir es besser wissen. In meiner Arbeit lautet mein Leitsatz: Jeder Tag ist eine neue Chance für Beziehung und um es anders zu machen. Ich glaube, dass es nie zu spät ist, die Beziehung zu unseren Kindern auf einen neuen Kurs zu bringen. Es ist ein verletzlicher Prozess, der Mut, Selbsterkenntnis und ein großes Maß an Selbstempathie erfordert. Mit mehr Wissen und Verständnis können Gefühle der Scham oder des Bereuens über die Dinge hochkommen, die wir als Eltern gesagt oder getan haben, bevor wir es besser wussten – und selbst wenn wir es besser wussten.

Für mich ist das die größte Herausforderung des Elternseins: die eigene Verletzlichkeit anzunehmen, uns weiterzubilden, aktiv zuzuhören, die Perspektive anderer Menschen einzunehmen, zu reflektieren, hinterfragen, versuchen zu verstehen, zu lernen, zu wachsen und zu heilen – auch und gerade dann, wenn es unbequem ist.

Ich bin keine „Elternschaftsexpertin“ und ich sage Eltern nicht, was sie tun sollen

Ich bin Denise Duffield-Thomas dankbar, dass sie mir geholfen hat, zu erkennen, dass ich eine Stimme haben darf, einen Beitrag leisten kann und keine verehrte Autorität sein muss (engl.) (auch eine patriarchalische Denkweise), um etwas zu bewirken und zu verändern.

Ich bezeichne mich nicht als „Elternschaftsexpertin“ (und schon gar nicht als „Erziehungsexpertin“) und ich sage Eltern nicht, was sie tun sollen, was nicht heißt, dass ich nicht über Expertise verfüge, Qualifikationen, Fachwissen und über 20 Jahre Studium, Ausbildung, sowie Berufs- und Elternschaftserfahrung habe. Anstatt anderen zu sagen, was sie tun sollen, teile ich mein Wissen und meine Erfahrung, schaffe den Raum, um gemeinsam eigene Antworten und Lösungen zu finden, und unterstütze Eltern auf ihrem individuellen Weg. Die Antworten, die wir für uns selbst finden, werden uns mehr nutzen, als die von anderen. Wie Teacher Tom es so treffend formuliert, geht es mir um das Lernen, nicht um das Lehren (engl.).

Es ist weder meine Aufgabe noch mein Wunsch, anderen Eltern zu sagen, was sie tun sollen. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, friedvolle und wertschätzende Beziehungen mit unseren Kindern zu gestalten. Sicherlich gibt es einige Grundprinzipien, aber die Lösungen, die wir für alltägliche Situationen und Herausforderungen finden, sind so individuell wie unsere Kinder und Familiensituationen. Wir finden Wege, die zu der eigenen Familie und Bedürfnissen am besten passen, indem wir unsere Verletzlichkeit annehmen, und lernen, mit dem unangenehmen Gefühl und der Unsicherheit umzugehen, dass es keine Gebrauchsanweisung oder schnelle Lösungen gibt, und indem wir in unseren Beziehungen und in uns selbst nach Antworten suchen.

Verletzlichkeit und privilegiert sein

Ich bin mir bewusst, dass ich auch in meiner Verletzlichkeit priviligiert bin. Ich bin eine weiße, cis-Frau, die Karen heißt. Ich bin priviligiert, denn ich habe die Wahl, ob ich mich verletzlich zeige oder nicht.

Dazu gehört auch, dass ich darüber nachdenken darf, ob die Karen-Memes für mich unangenehm oder unbequem sind oder ob ich sie für ungerecht halte. Tu ich nicht. Wie Karen Attiah schreibt, sind Karen-Memes weder sexistisch noch rassistisch, und Unterdrückung zu erfinden, wenn einem selbst keine widerfährt, ist typisches Karen-Verhalten (engl.), das von Privileg sowie „white fragility“ zeugt.

Ich weiß, dass ich mich manchmal irren und Fehler machen werde, und ja, das wird sicherlich unbequem. Doch indem ich mich verletzlich zeige, nehme ich mir vor, den Mut zu finden, meine Fehler einzugestehen, mich weiterzubilden und es dadurch besser zu machen.

Verbundenheit durch Verletzlichkeit

Als Mutter, Ehefrau und Tochter habe ich die Kraft der Verletzlichkeit durch eine tiefere Verbundenheit in meinen Beziehungen kennengelernt. Mehr Selbsterkenntnis und der Satz „die Geschichte, die ich mir gerade selbst erzähle, ist…“ haben mir geholfen, die Unsicherheit, das Risiko und die emotionale Exposition -wie Brené Brown Verletzlichkeit definiert – auf mich zu nehmen und dadurch eine stärkere Verbindung sowie mehr Intimität zu erfahren.

„Verletzlich zu bleiben ist ein Risiko, das wir eingehen müssen, wenn wir Verbundenheit erfahren wollen.“ – Brené Brown

Wenn ich mir erlaube, meine Gefühle zu fühlen, mich imperfekt zu zeigen und gesehen zu werden, schafft meine Verletzlichkeit einen Raum, in dem meine Kinder sich ebenfalls verletzlich zeigen können, ihre Geschichten erzählen und ihre Erfahrungen ohne Scham oder Angst vor Maßregelung teilen können, um gemeinsam zu lernen und zu wachsen. Durch Verletzlichkeit entsteht mehr Verbindung, mehr Zuhören, Vertrauen, Einfühlungsvermögen und Verständnis.

Wie werde ich 2022 in die Manege eintreten?

  • Ich werde mutiger sein und regelmäßiger über friedvolle und respektvolle Elternschaft bloggen und posten,
  • imperfekt sein, denn gemacht ist besser als perfekt,
  • zu meinen Fehlern und Imperfektionen stehen,
  • mir vornehmen, stets weiter zu lernen und mich weiterzubilden,
  • bereit sein, auch die schwierigen, unangenehmen und unbequemen Gespräche zu führen,
  • meine eigene Geschichte erzählen und zu ihr stehen.

Wie wirst du 2022 deine Verletzlichkeit annehmen? Hast du ein Wort oder ein Motto für das kommende Jahr? Schreibe es mir in die Kommentare!

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